Flucht vor mir selbst…

Ich wünschte, ich könnte mir ein Loch graben.
Im Boden verschwinden.
Untertauchen, in eine Welt
ohne jeglichen sozialen Kontakt.
In eine Welt, die mich nicht nur verletzt.
Eine Welt, in der ich angenommen werde.
Eine Welt, in der ich nicht alles
immer wieder kaputt mache.
Ohne all die Gedanken,
die sich in meinem Kopf eingenistet
und breitgemacht haben.
Ohne all die zerstörerischen Gefühle, in mir.
Mein Verstand scheint verflogen.
Mein Herz, ausgerissen und zerstückelt.
Ich atme, doch ich lebe nicht.
Ich blute, doch ich sterbe nicht.
Die Sucht nach meinem Blut und meinen Knochen wächst.
Ein Drag, nach Wärme und Zufriedenheit.
Ich träume davon, mir den Leib aufzuschneiden.
Jeden einzelnen Knochen aus meinem Körper zu ziehen.
Alle zusammen mit einem dreckigen Lächeln
im Gesicht durch die Luft zu werfen.
Mir selbst entkommen…

Nichts als eine Kreatur

Wie immer, wenn ich nach dem Leben griff,
blieb nichts in meiner Hand.
Ich möchte Flamme sein und Asche werden,
doch habe noch nie gebrannt.
Ich will die Welt verstehen und alles wissen
und kenn mich selber nicht.
Ich will hoch und höher steigen
und sinke immer wieder ins Nichts.
Ich will Engel oder Teufel sein,
und bin doch nichts als eine Kreatur.
Eine Kreatur, die immer das will,
was sie nicht bekommen kann.
Ich will frei und freier werden
und werde meine Ketten einfach nicht los.

Niemand weiß…

Leute denken, dass sie dich kennen.
Sie denken, dass sie wissen, wie du mit Situationen umgehst.
Aber die Wahrheit ist, niemand kennt dich.
Niemand weiß, was passiert, nachdem sie gegangen sind.
Nachdem du die Tür hinter dir schließt,
zu Boden sinkst und das Radio so laut drehst,
dass dich niemand schreien hört.
Niemand weiß, wie du Nachts im Bett liegst,
dich an dein Kuscheltier klammerst, nur um etwas Halt zu bekommen.
Niemand weiß, wie du jeden Morgen alleine beim Frühstück sitzt
und und immer wieder fragst, warum du überhaupt noch aufstehst.

Die Kunst zu fliegen

„Normale“ Menschen sind wie kleine Flugzeuge,
sie kommen sicher von A nach B.
Auch wenn der Pilot mal mit den Gedanken wo anders ist.
Menschen, wie ich es einer bin
fliegen Jets, Segelflieger oder Kunstflugzeuge,
leider ohne Gebrauchsanweisung.
Ein einziger Moment der Unachtsamkeit und sie stürzen ab.
Unkontrolliert.
Wer es aber lernt damit umzugehen,
der wird Dinge tun können, von den „Normale“ nur träumen können.

My Dear,

I don’t know what to do today,
help me decide.
Should I cut myself open
and pour my heart on these pages?
Or should I sit here and do nothing,
nobody’s asking anything of me after all.
Should I jump off the cliff that has my heart beating so
and develop my wings on the way down?
Or should I step back from the edge,
and let the others deal with this thing called courage.
Should I stare back at the existential abyss that haunts me so and try desperately to grab from it a sense of self?
Or should I keep walking half-asleep,
only half-looking at it every now
and then in times in which I can’t help doing anything but?
Should I kill myself or have a cup of coffee?

Falsely yours.

– Albert Camus

Manche Menschen wissen nicht

Manche Menschen wissen nicht, wie es ist,
wenn man Nachts nicht schlafen kann.
Manche Menschen wissen nicht, wie es ist,
wenn niemals Stille im Kopf ist.
Manche Menschen wissen nicht, wie es ist, keine Gefühle zu kennen.
Manche Menschen wissen nicht, wie es ist,
wenn man nicht mehr lachen kann.
Manche Menschen wissen nicht, wie es ist,
wenn man sich selbst so sehr hasst, dass man sich zersört.
Manche Menschen wissen nicht, wie es ist,
wenn man so verzweifelt ist und nur noch den Tod als Ausweg sieht.
Manche Menschen wissen nicht, wie es ist, nur Extreme zu kennen.
Manche Menschen wissen nicht, wie es ist,
sich selbst im Spiegel nicht zu erkennen.
Manche Menschen wissen nicht, wie es ist,
wenn die Stimmung 100 mal am Tag wechseln kann, ohne wirklichen Grund.
Manche Menschen wissen nicht, wie es ist,
wenn man lieber sterben würde, als so weiter zu leben.
Manche Menschen wissen nicht, wie es ist,
wenn man jeden Tag gegen sich selbst kämpfen muss.
Manche Menschen wissen einfach nicht
und werden es auch niemals wissen.

… manche Menschen können sich Glücklich schätzen.

Manchmal sagen Leute,…

Manchmal sagen Leute, dass sie immer für dich da sind.
Manchmal sagen Leute, dass sie dich Lieben.
Manchmal sagen Leute, dass sie für dich sterben würden.
Manchmal sagen Leute, dass sie dich nicht verlieren wollen.
Manchmal sagen Leute, dass es Ok ist.
Manchmal sagen Leute, dass sie dich nicht verletzten wollen.
Manchmal sagen Leute, dass sie sich um dich sorgen.
Manchmal sagen Leute, dass du ihnen immer wichtig sein wirst.
Manchmal sagen Leute, dass sie dich auffangen, wenn du fällst.

Aber manchmal Lügen Leute auch…

Zerstört und nicht einmal gelebt

Mit 12 schrieb ich meinen ersten Abschiedsbrief.
Mit 13 fing ich an mir die Arme aufzuschneiden.
Mit 14 hörte ich auf zu essen und trinken.
Mit 15 war ich bereits das zweite mal knapp dem Tod entkommen.
Mit 16 zog ich in eine Therapeutische Essgestörten-WG.
Mit 17 ließ ich mich regelmäig von Männern benutzen.
Mit 19 habe ich bereits aufgehört meine Klinikaufenhalte zu zählen.
Mit 20 schluckte ich meine Antidepressiva mit Alkohol runter.
Mit 21 setzte ich mich selbst auf kalten Drogen- Entzug.
Mit 22 hatte ich alles verloren, was mir wichtig war.
Mit 23 war ich offiziell Schwerbehindert.
Mit 24 war mein Körper komplett zerstört und ich habe nicht einmal gelebt.

Ich habe Angst…

Ich habe Angst.
Angst vor der Person, der ich jeden Tag im Spiegel begegnen muss.
Angst vor der Person, mit der ich seit Jahren leben muss.
Angst vor der Person, die ich nie wirklich kannte.
Angst vor dem Körper, den ich spüren muss.
Angst vor der Seele, die in diesem wohnen muss.
Angst, weiter mit Unwissenheit und Lügen zu leben.
Angst, die Wahrheit zu kennen.
Ansgst vor dem, was ich einst war.
Angst vor dem, was ich bin.
Angst vor dem, was ich sein kann.
Angst vor dem, was ich sein werde.

Abschied von der Opferrolle

Es wird Zeit für einen Abschied…
Einen Abschied, den ich schon viel zu lange vor mir herschiebe.
Abschiede sind nie meine stärke gewesen und
doch sind sie nötig um weiter zu kommen im Leben.
Abschied nehmen von der Rolle des kleinen, hilflosen Mädchen.
Abschied nehmen von emotionalen Missbrauch.
Abschied nehmen von der Abhängigkeit von anderen Menschen.
Abschied nehmen von Gedanken, die mich töten.
Abschied nehmen von der Unterdrückung meiner selbst.
Abschied nehmen von der Selbstzerstörung.
Abschied nehmen von dem sich nicht wehren können.
Abschied nehmen von der ewigen Opferrolle.
Dieser Abschied heißt aber nicht, dass ich etwas vergesse, vergebe oder verharmlose.
Nein, dieser Abschied heißt, dass ich weiter kommen will.
Es bedeutet, dass ich bereit bin für den nächsten Schritt.
Es bedeutet Ballast abwerfen und ein Stück frei werden.
Verantwortung für mich und mein Leben übernehmen.
Frei für neue Gefühle, neue Erlebnisse und gesunde Wünsche.

Niemand kann diese Entscheidung für mich treffen.
Ich selbst, muss meine Gefangenschaft in der Opferrolle beenden.
Ich muss die Gitterstäbe selber durchbrechen und hinaus treten.
Die Sehnsucht nach Leben in mir wecken und wachsen lassen.

Alles was geschehen ist, ist eine Wirklichkeit, eine schreckliche Wirklichkeit, die man nicht vergessen kann und auch nicht muss! Aber wenn ich diese Geschehnisse nicht verabschiede, irgendwann ruhen lasse, dann werde ich NIE frei sein zu leben!